31.7.07

Maritimes Highlight





Ich stehe früh auf, um pünktlich zur Eröffnung des Vasa-Museums sein. Nur in der ersten Stunde kann man dort ungestört sein, dann geht der Trubel los. Das Museum beherbergt ein maritimes Highligt: die Vasa, komplett erhalten. Das Schiff ist als gigantische Fehlkonstruktion bei der Jungfernfahrt 1628 im Hafen von Stockholm gesunken und 1961 gehoben worden. Zur Ehrenrettung der damaligen Schiffsbauer muss man erwähnen, dass es (mal wieder!) die politischen Vorgaben waren, die zur Katastrophe führten: der König wollte ein repräsentatives Kriegsschiff, dass letztendlich zu viele Kanonendecks hatte. Der Schwerpunkt war zu hoch, zuwenig Ballast und schon war’s im Hafen versenkt…

Wikipedia schreibt: „Der Bau der Vasa war für Schweden auch ein Prestigeprojekt. Sie war bestückt mit 64 Kanonen, die der Feuerkraft der gesamten polnischen Flotte gleichkommen sollten. Das Schiff war etwa 69 Meter lang, 12 Meter breit und am Großmast fast 52 Meter hoch. Die gesamte Segelfläche lag bei etwa 1.300 m² und das Achterdeck lag 20 Meter über dem Wasserspiegel. Nachdem Gustav Adolf erfahren hatte, dass der Feind ein ähnlich großes Schiff bauen ließ, befahl er 1627, auf dem oberen Batteriedeck Kanonen in gleicher Zahl und vom gleichen Kaliber wie auf dem unteren Batteriedeck zu installieren, um so die Feuerkraft weiter zu erhöhen. Ein schwerer Fehler: Die gesamte Statik des Schiffes, die durch Ballaststeine im Rumpf kontrolliert wurde, geriet außer Kontrolle. Durch die erhöhte Masse (Auftrieb, Archimedisches Prinzip) lagen die Öffnungen für die unteren Kanonen ohnehin bereits bei geringer Krängung (Schräglage) unterhalb der Wasserlinie, wobei der erhöhte Schwerpunkt die wind- oder ruderlagenbedingte Krängung zusätzlich vergrößerte.“

Das Museum ist sehr beeindruckend. Zwar darf man fotografieren, aber es ist sehr schwierig. Man stelle sich eine Tennishalle vor, die mit zehn 60 Watt Glühbirnen beleuchtet ist…
In einer Computersimulation konstruiere ich ein sicheres Schiff, aber der König ist natürlich unzufrieden!
Alles über das Schiff: hier

30.7.07

Danke...

... für das Interesse an diesem Törn. Über 6000 unterschiedliche Besucher haben diese Webseite inzwischen angeschaut. Ab heute sind Nachträge ab dem 21.7. zu sehen. Die Eingangsseite zeigt immer nur 10 Einträge. Ältere Beiträge sind im Archiv abgelegt: Monat anklicken, und alle Einträge des Monats sind geöffnet.

Stockholm
















Ich lichte um 8.30 Uhr den Anker und brauche ca 2 Std, um bis in die Innenstadt von Stockholm zu motoren. Zunächst einmal ist meine Hafen-Stress-Vermeidungsstrategie voll aufgegangen. Ich kann mir im Wasahamn die Plätze in Ruhe aussuchen. Aus der ersten Box fahre ich wieder raus und suche mir eine Bessere, da es in Nr 1 nicht mal Ringe oder Klampen zum Festmachen gab. Die teuersten Hafen sind nicht immer die Besten. Überraschenderweise sind die Sanitäranlagen sehr bescheiden, was mich bei dem sonstigen Luxus in der Stadt etwas verwundert. W-Lan gibt’s auch nicht inclusive, den Zugang muss ich per Kreditkarte extra buchen. Diese Posts zu machen kostet mich einige Nerven und viel Zeit. Immer wenn ich den Eintrag fast fertig habe, stürzt die Verbindung ab, mitunter ohne Abspeicherung…

Diese Stadt ist ein Hammer! Nach der Einsamkeit in den Schären weiß ich gar nicht, wie ich die ganzen Eindrücke verarbeiten soll... Der erste Stadtbummel war atemberaubend. Die Stadt ist schön und sprüht nur so voller Leben. An jeder Ecke Live-Musik auf hohem Niveau. Ein babylonisches Sprachengewirr – und das ganze Sortiment von Straßenkünstlern, Freaks, Ausgeflippten und Patienten die frei herumlaufen…Ein Kaleidoskop erster Güte!

Ich bin zu müde, um mehr zu beschreiben – mir fehlen auch die Worte. Ich lasse daher die Bilder sprechen.

29.7.07

Against the Wind....

Hier fahren ständig die ganz großen Fähren...

Vaxholm: Ausflugsort vor Stockholm

Heute geht’s endgültig Richtung Stockholm. Die Nacht war ruhig und als ich um 7 aufstehe und schwimme ist der Wind noch schwach. Er dreht dann aber schnell auf 4-5 aus SW auf.
Egal – ich muss endlich weiter. Damit ich die geplanten 25 SM auch schaffe motore ich mit gerefftem Groß gegenan. Dies ist bei DINE auch erforderlich, denn zwischen den Schären gibt es ausgesprochene Kap- und Düseneffekte, d.h. der Wind wird abgelenkt und briest auf – in der Regel zu meinen Ungunsten.
Trotzdem ist es eine schöne Fahrt, wenn man mal von den Schauern absieht. Aber es herrscht reger Verkehr in den Fahrwassern. Je näher ich Stockholm komme, desto stärker wird der Verkehr. Höhepunkt ist Vaxholm, einem beliebten Ausflugsort vor den Türen Stockholms. Hier gibt es eine Insel mit Festung, um die zahlreiche Fähren verkehren und der Fahrtweg um die Insel wird per Schild an Land vorgeschrieben: Berufsverkehr steuerbord, Freizeitverkehr backbord. Südlich von Vaxholm ist der Verkehr unglaublich dicht. Ich verschwinde kurz unter Deck, um einen Blick auf den Laptop zu werfen um den Kurs zu korrigieren. Als ich wieder ins Cockpit komme, fährt neben meinem Boot auch schon die Küstenwache, die wohl ein führerloses Boot vermutet hat. Ich entschuldige mich mit dem Hinweis auf den Blick in die Seekarte und schon sind sie wieder weg. Ich sehe heute gleich drei Boote der Küstenwache, ein Anzeichen, dass ich mich in einem Ballungsgebiet befinde. Hier sind auch alle Ufer besiedelt und die frei zugänglichen Ankerplätze nehmen rapide ab. Aber die Bebauung stammt immer noch aus „Schöner Wohnen".
Ich habe mir eine Bucht ca 7 SM vom Stadtzentrum ausgeguckt. Als ich sie anlaufe sehe ich, dass sie natürlich rundum mit Villen bebaut ist. Ich riskiere es einfach und werfe in dem notwendigen Abstand den Anker und hoffe, dass ich hier übernachten kann. Stockholm Wasahamnen soll man nach Angabe des Törnführers so gegen 10.00-12.00 Uhr anlaufen, dann hat man in der Saison am ehesten eine Chance auf einen freien Liegeplatz. Mein Kalkül ist zudem, dass ich am Montagmorgen einlaufen will.

28.7.07

Insel-Hopping



Ich hoffe, das Wetter wird nicht langsam zum Problem. Heute will ich Richtung Stockholm ein gutes Stück Strecke machen. In der geschützten Bucht von Ängsö ahne ich schon, das es beim Verlassen anders aussieht. Als ich um die Ecke komme, kachelt es mit Bf 5-6 aus SW, was natürlich mal wieder die Zielrichtung ist. Nach vier Seemeilen gebe ich auf und verhole mich in eine geschützte Bucht der Schäre Andö. Dort werde ich nett von einem schwedischen Paar empfangen, die auch dort abwettern. Auch sie sind von dem bisherigen Sommer enttäuscht. Das ist das Tolle beim Schärensegeln: innerhalb weniger Minuten ankere ich fast bei Windstille.
Ich habe Probleme, den Wetterbericht über Stockholmradio zu bekommen. Manchmal habe ich guten Empfang, dann wieder bricht der Funkkontakt plötzlich ab. Ich hoffe, der Fehler liegt nicht in meiner Anlage…
Den Tag verbringe ich mit Schwimmen und Lesen. Ich habe meine alten Sjöwall/Wahlöö -Krimis aus den 80ern an Bord und lese sie mit Genuss. Trotz der aktuellen Skandinavien-Krimi- Welle scheinen die in Vergessenheit geraten zu sein. Zu Unrecht, denn die sind richtig gut und vermitteln nebenbei viele Informationen über das Land. Info zu den Krimis: hier

27.7.07

Ängsö





Da ich erst am Montag in Stockholm ankommen will ( ich hoffe, der Hafen hat dann Platz…) mache ich heute frei und besichtige Ängsö. Am Morgen verlege ich das Boot mit dem Bug an die Felsen. Dabei habe ich inzwischen immer ein flaues Gefühl, weil ich kein Vertrauen in den Anker habe. Trotz 5m Kette und langer Leine fasst er oft nicht. Ist offensichtlich unterdimensioniert.
Auch heute wiederdasProblem: in einer Regenbö habe ich Felsberührung mit dem Bug, weil der (Heck-) Anker mal wieder rutscht. Ich kann auch nicht rückwärts raus fahren, weil sich gegen Mittag ein Schwede mit seiner Hanse 8 Meter hinter meinem Heck vor Anker legt. So viel noch mal zum Thema Diskretion beim Ankern. Immerhin fragt er mich, ob das für mich ok sei. Nein, es ist nicht ok – aber das sage ich natürlich nicht…
Am Nachmittag lange Wanderung auf der Insel. Ähnlich wie auf Jungfruskär haben die Schweden hier ein Naturschutzgebiet errichtet. Die Landschaft und Vegetation ist aber auch hier von der ursprünglichen Besiedelung geprägt. Von „Urwald“ kann man also nicht wirklich sprechen, auch wenn es die Schilder auf dem Naturpfad tun.
Das Wetter nervt langsam. Seit 5 Wochen ist es unbeständig und eher kühl. Heute ist es wieder bedeckt mit gelegentlichen Schauern.

26.7.07

Furusund / Ängsö





Heute ist wieder ein Super-Segeltag und ich kreuze bei Sonne gegen einen SW von 3-4 Richtung Furusund. Es kommt mir so vor, als sei dieses Land ausschließlich damit beschäftigt Ferien zu machen. Überall Boote, die Häfen und Buchten voll und an den Ufer und auf den Schären traumhafte Anwesen. Was ich nicht einordnen kann: es gibt auf einsam gelegenen Schären riesige schmucke Häuser. Wer wohnt da? Als Dauerwohnsitze kommen sie kaum in frage – dazu liegen sie zu weitab um Arbeit zu haben und als Sommerhäuser sind sie zu groß. Solche Inseln sind Privatanwesen – anlegen nicht erwünscht. Welche Glückspilze da wohl wohnen oder Ferien machen.
Am Nachmittag erreiche ich Ängsö. Das ist sozusagen eine „öffentliche“ Schäre. Da bleibt man nicht lange allein. Als ich ankomme, sind alle Felsliegeplätze belegt, so dass ich in der Bucht Svartviken vor Anker liege.
Gegen Mittag komme ich an Kapellskär vorbei. Vor fast 30 Jahren bin ich mal mit einer Fähre von Finnland kommend dort angekommen. Komisches Gefühl, wie die Zeit vergeht. Ich bin froh, dass ich diese Reise realisiert habe: Carpe diem! P.S.: sieht man ein Schiff dieses Namens, braucht man nicht lange nach dem Wimpel zu suchen – es gehört immer einem Deutschen. Wo der Deutsche auch auf seinem Schiff „Tiefgang“ verbreitet, steht bei den Finnen schon mal „Blondie“!

25.7.07

Gräddö

Laut Törnführer muss man Gräddö nicht gesehen haben – kann ich bestätigen. Ich laufe den Hafen an, um die notwendigen Besorgungen zu machen, v.a. Geld tauschen und Seekarten besorgen. Beides klappt nicht. Komischerweise gibt es hier alle möglichen Seekarten, nur nicht die von hier bis Stockholm. Ich habe zwar eine Karte an Bord, die ist aber zum Schärensegeln nicht geeignet. Der Kartenplotter arbeitet zwar perfekt, aber wenn er abstürzt wird es eng… Geld gibt’s auch nicht, kein Geldautomat. Im Hafen liegt man nicht so gut: viel Schwell, da die Gästestege außen an der Tankstelle liegen und ständig Motorboote ein und ausfahren. Jetzt am Abend kommt endlich die Sonne mal wieder heraus und alles erscheint buchstäblich in anderem Licht. Bei Sonne wirkt die Landschaft viel einladender.
Ansonsten steht der Schärengarten hier den finnischen Schären in nichts nach. Wenn man nicht so weit reisen will, kann man das Schärensegeln hier genauso gut erleben. Am Ufer sehe ich heute wieder Traumhäuser in Holz, Stahl und Glas. Die einfache Holzhütte scheint auch hier auszusterben und weicht den Palästen…

24.7.07

Depression

Das Wetter geht mir auf den Geist. Grau in Grau, kalt, regnerisch. Nicht das, was ich für Finnland und Schweden erhofft habe. In England saufen sie gerade ab, soviel entnehme ich dem Aufmacher der schwedischen Bildzeitung…Das Bad am Morgen ist entsprechend kalt, aber erfrischend. Heute schaffe ich es, für einen Inselspaziergang an Land zu gehen. Arholma ist eine nette autofreie Insel. Ich durchquere sie bis zum Westufer um in einem kleinen Laden einzukaufen. Meine Logistik stimmt diesmal nicht. Ich hätte in Mariehamn Geld tauschen und Seekarten einkaufen sollen. Zwar kann ich mit Karte bezahlen, aber Bargeld gibt es hier nicht. Ich hoffe, das kann ich morgen in Gräddo erledigen.

23.7.07

Arholma


Arholma bei trübem Wetter...

Das Barometer fällt und das Wetter verschlechtert sich wie angekündigt. Starkwind aus SO, Schauer. Ich versuche einen Landgang, aber selbst mit dem Schlauchboot finde ich keinen freien Platz am Steg, Hier ist z.Z. Hochsaison und ich muss mich darauf einstellen, das es wohl so weitergeht, denn der Törnführer empfiehlt bei vielen Häfen, bereits mittags einzulaufen, um einen freien Platz zu bekommen. Ich tue mich etwas schwer mit Gerti und Harm Claußen. Sicher ein guter Törnführer, aber ich vermisse die praktischen und detaillierten Hafeninfos und die guten Übersichten von Jörn Heinrich. Jörn, schreib einen Führer über die schwedische Ostküste! Ansonsten vergammele ich den Tag mit Lesen auf meinem Boot. Zwischendurch versuche ich Wetterberichte über UKW zu bekommen, was mir einmal gelingt. Ich verstehe zu wenig Schwedisch, um ihn zu verstehen. Die im Törnführer angegebenen englischen Berichte bekomme ich komischerweise nicht herein… Irgendwie bin ich in Schweden noch nicht angekommen.

22.7.07

Schweden ruft!

Meine Strecke nach Schweden

Hoffentlich bauen sie nicht alle Schären damit voll!


Mariehamn am Morgen

Ich starte um 6.30 Uhr zu dem 38 Sm –Törn nach Schweden. Es ist wunderschönes sonniges Wetter und zunächst windstill. Ich motore durch das Fahrwasser nach Süden, um die offene See zu erreichen. Es gibt keine direkte Verbindung vom Osthafen Richtung Westen, so dass man die südlichen Schären von Mariehamn weit umfahren muss.
Dann stellt sich ein konstanter Wind aus Süd 3 ein und ich kann bei halbem Wind wunderbar segeln. Ich nutze den Pinnenpiloten, mache es mir im Cockpit in der Sonne gemütlich und lese während der Überfahrt fast den gesamten Krimi durch. Die Klappenwerbung „hoher Suchtfaktor“ trifft ausnahmsweise mal zu. Ich segel weitgehend außerhalb der Fährroute, so dass ich beruhigt lesen kann. Alle 10 Minuten ein Rundumblick und dann sitze ich wieder und lese, denn auch die wenigen Yachten die ich sichte sind nicht auf Kollisionskurs.
Gegen 16.30 laufe ich in die wunderschöne Bucht von Arholma ein. Am Steg ist natürlich alles besetzt, aber es gibt genügend schöne Ankerplätze. In Erwartung des angekündigten Starkwindes aus Südost lege ich mich zwischen die Schären Hummeloen und Flaten auf 3m Tiefe und bin so gut geschütz. Dann nehme ich erst einmal ein ausgiebiges Bad und genieße ein kühles Bier in der Abendsonne. Gegen 21.30 ruft meine Familie an, um mitzuteilen, dass sie wieder gut in Deutschland angekommen sind.

21.7.07

Abschied

Heute ist Abschiedstag. Ingeborg und Jo starten nach Stockholm, um von dort nach Hause zu fliegen. Am Vormittag ist Packen angesagt und dann geht es nach dem Mittag auf die Ostseite der Stadt, wo der Fährterminal ist. Wir leihen uns im Hafen eine Karre für das Gepäck und bummeln noch einmal gemeinsam durch die Stadt. Da ich das Gelände des Terminals ohne Fahrkarte nicht betreten darf, verabschieden wir uns vor dem Eingang. Wir sind alle sehr traurig, dass unser schöner Urlaub vorbei ist und wir ab jetzt für ein paar Wochen wieder getrennte Wege gehen.
Auf dem Rückweg mache ich noch einmal Bekanntschaft mit einigen Merkwürdigkeiten der Stadt. Es gibt nur einen Geldautomaten, vor dem sich ununterbrochen eine Schlange befindet. Also, einreihen und warten. Dann im (einzigen?) Supermarkt das Gleiche: rappelvoll und unglaubliche Schlangen vor den Kassen. Sie reichen durch den ganzen Laden, so dass ein gründliches Ergänzen der Vorräte schwierig ist. Ich packe das Notwendigste ein und warte dann 30 Minuten vor der Kasse…
Der Wetterbericht, der im Hafen ausgehängt ist macht mich etwas ratlos. Zwar ist für den kommenden Tag noch gutes Wetter angesagt, dann soll es aber mit Bf 8 aus SW blasen. Noch drei Tage hier zu verbringen reizt mich nicht.
Ich schaue mir daher auf den Karten an, welches Ziel ich in Schweden ansteuern kann und die Entscheidung ist dann schnell getroffen. Ich lese gerade „Verblendung“ von Stieg Larsson. Eigentlich sind Krimis nicht mein Fall, aber dies hier ist richtig spannend. Der Protagonist der Geschichte trifft zu Beginn der Story einen Schulfreund auf Arholma. Das bietet sich also als Ziel an, denn es liegt auf meiner Route.Ansonsten tue ich mich etwas schwer, wieder in meine Einhand-Situation zurückzufinden…

20.7.07

Stadtbummel Mariehamn

Die Einkaufsstrasse

Schöne Häuser

Stadtväter aufgepasst - sowas brauchen wir auch in Deutschland!

Mariehamn ist ein aufgeräumtes sauberes Städtchen. Auffallend ist die schachbrettartige Anordnung der Straßen: alle verlaufen im rechten Winkel. Informationen zur Stadt: hier
Alles ist geräumig, mit schönen Parkanlagen und schönen Häusern...

Die "POMMERN"

Heute haben wir die POMMERN besichtigt. Sie ist Baujahr 1903 und hat bis zum 2. Weltkrieg Getreide von Australien nach England transportiert. Das Schiff ist im Originalzustand und eines der letzten großen Segelschiffe die in Dienst waren. Alle Informationen zum Schiff: hier
Das Schwesternschiff, die PASSAT, habe ich schon in Travenünde gesehen.

Das Schiff


Schweres Wetter

Der Kartenraum

Der Mannschaftsraum

Die Kombüse

Die Anker

Die Masten

Der Salon

Ähnliche Regeln gelten auf DINE

Das Bad des Kapitäns

Der Vorratsraum

Oldtimerfans





Die Finnen sind Liebhaber von Amischlitten. Das habe ich schon vor 30 Jahren beobachtet.
Hier eine kleine Auswahl von heute in Mariehamn. Mit Vorliebe "cruisen" sie damit durch die Innenstadt.

19.7.07

Mariehamn

Im 2. Reff unter Motor gegenan

Die Crew reißt sich zusammen...

Schöne Schären...

Wir starten heute nach Mariehamn, denn Ingeborg und Johannes müssen am Sonntag in Stockholm sein, um den Flieger nach Hause zu bekommen. Es kachelt immer noch mit 5-6 aus SW, also genau von vorn und so motoren wir unter gerefftem Groß gegenan. Ich bin frustriert: uns überholen Schiffe, die unter Segeln höher am Wind laufen als wir unter Motor. Inzwischen sind sich alle einig: ein größeres Boot muss her! Zudem lastet auf diesem Boot ein Fluch. Als wir endlich den Kurs auf NW absetzen können, dreht der Wind und wir haben ihn wieder von vorn. Die Mannschaft zieht mich auf und dichtet Liedstrophen:

DINE ist ein schönes Boot, Jupp hei die, Jupp hei da,

dass auch einen Motor hat, Jupp hei die hei da.

Der Motor der ist supertoll - sonst hätten wir die Schnauze voll!

Nach unserem Hanko-Erlebnis sehen wir den Mastenwald im Osthafen mit Sorge, finden dann aber problemlos noch eine Box.

Die Fahrt hierher führt durch eine wunderschöne Schärenlandschaft, die hier aus beeindruckenden roten Felsen besteht. Der Höhepunkt des Tages ist die Sichtung eines Seehundes, der kurz vor unserem Boot wegtaucht und sich nicht fotografieren lassen will. Ich entdecke ihn, weil zwei Möwen dicht über ihm schweben und ich halte ihn zunächst für tot.

17.7.07

Marsoe

Jo erobert "seine" Insel

Die schöne Alandflagge

Heute machen wir nur einen kurzen Schlag und suchen uns noch einmal eine schöne einsame Bucht (60°05,3N, 20°27,5E) bevor es morgen nach Mariehamn weitergeht. Die Sonne scheint und wir segeln bei SW 3 die Fahrwasser westlich von Sottunga entlang. Hier verkehren regelmäßig die großen Fähren, die von Finnland über die Alands nach Schweden fahren. Sie machen mächtig Welle und wenn ein Boot nicht rechtzeitig Platz macht geben sie mit ihren sonoren Hörnern den „Weckruf“( - - - - - ). Als wir eine schöne Bucht finden, sondieren wir sie wieder mit dem Schlauchboot und finden einen schönen Platz, wo wir mit dem Bug an die Felsen gehen. Der Rest des Tages besteht wieder aus den üblichen Anstrengungen: Angeln, Rudern, Klettern, Lesen, Kochen, Würfelspiele, Schwimmen…
Zwischendurch scheuern wir mal wieder das Deck und bringen etwas Ordnung an Bord.
Unverzichtbar für einen solchen Törn ist ein gutes Dingi. Unser Schlauchboot AX2 erfüllt alle Anforderungen hervorragend: Klein, leicht, schnell auf und abgebaut und auch hinter unserer kleinen Yacht gut zu transportieren. Wir zurren es am Heckkorb quer fest.

16.7.07

Sottunga

Suchbild: Wo ist unser Boot? Ganz einfach - immer den kürzesten Mast im Hafen suchen!

Der Fahradverleih des Ladens

Im Restaurant



Eine Mittsommernachtsstange


Sottunga liegt nicht in Afrika, auch wenn es sich so anhört. Den Wetterbericht um 9.30 verpassen wir, was auch gut war, denn sonst wären wir wohl nicht losgefahren. NW 5-6 ist zu bewältigen, was DINE aber unter gerefftem Groß gut wegsteckt. Obwohl die Wellen zwischen den Inseln nicht so hoch werden, muss Jo nach einer Stunde sein Frühstück an die Fische verfüttern. Jetzt am Abend ist hier schönstes Wetter bei Windstille.
Sottungalandet ist ein kleiner netter Hafen mit guter Versorgung und einem netten Restaurant. Es ist liebevoll ausstaffiert und das Essen schmeckt uns sehr gut. Fisch, mit sehr guten Kartoffeln und Dillsoße. Am Nachmittag fahren wir mit Rädern in den 3 Km entfernten einzigen Laden. Die Räder, die im Hafen stehen gehören zweckmäßigerweise dem Laden und man kann sie kostenlos ausleihen. Die Insel wird landwirtschaftlich genutzt und sieht schon recht „schwedisch“ aus. Schön sind die wilden Blumen in den Gräben und an den Wegessrändern.
Aus der Touristeninformation: Es gibt 6500 benannte Inseln auf den Alands und 27.000 Einwohner, von denen 10.800 in der einzigen Stadt Mariehamn wohnen. Damit wohnen im Schnitt 4 Personen auf einer Insel. Insgesamt sind aber nur 65 Inseln bewohnt. Haupteinnahmequelle der Inseln ist „shipping“. Da die Aländer sich mehr als Schweden fühlen, eine eigene Regierung und eine eigene Flagge haben, holen wir heute die finnische Gastlandflagge ein. Leider habe ich zuhause keine Alandflagge eingepackt, aber wir können eine im Lebensmittelgeschäft erwerben. Die ist zwar nicht so haltbar, aber der gute Wille zählt.

15.7.07

Jungfruskär








Der Wetterbericht von Turku-Radio in englischer Sprache kommt zu etwas unpassenden Zeiten: 9.33 und 21.33. Heute verkündet der Schnellsprecher wieder das ganze ungeliebte Programm: Strong Wind advisory, interference, local Showers, possibly thunder. Windstärke 6 von vorn möchte ich meiner Familie nicht antun, also bleiben wir auf Jungfruskär – und es lohnt sich. Zunächst verlegen wir das Boot an den Steg, um bequemer an Land zu kommen. Gegen 11.30 sind gute Plätze dort frei geworden.
Jungfruskär besteht aus drei Schären. Zwischen den beiden größeren liegt ein Sund, der ewigen Zeiten als sicherer Ankerplatz genutzt wird. Die Schären liegen am alten Handelsweg zwischen Stockholm und Turku. Wer also diesen Weg nimmt, sollte dort mal vorbeischauen. Heute sind die Schären Teil des „Skärgardshavets nationalpark“. Vom Inselgard, der am Abend 5 Euro Liegegeld kassiert, erfahre ich, dass die Inseln früher auch aus folgendem Grund strategisch wichtig waren: die Haupttelefonleitung von Stockholm nach Turku verlief über die Inseln. Außerdem das Telefonkabel für das rote Telefon zwischen Washington und Moskau. Diese Leitung wird heute vom Inselaufseher genutzt.
In den 30er Jahren des vorigen Jahrhunderts hatten die Inseln mit 43 Personen ihre höchste Einwohnerzahl. Um die Vegetation flach zu halten laufen eine Rinder- und Schafsherde frei herum. Zur Unterhaltung der Segler am Steg, geht die Rinderherde auch schon mal ins Wasser, um das Schilf abzugrasen. Die Steaks dieser Jungbullen sind sicher sehr schmackhaft…
Die Vegetation dieser Schären ist völlig anders als bei den Turkuschären. Überwiegend Laubbäume, wenig Wacholder. Es gibt auch für Kinder viel zu untersuchen und zu entdecken: in Häusern getarnte Kanonen aus dem 2. Weltkrieg, einen sehr schönen Naturlehrpfad, verlassene Häuser und einen schönen Badestrand. Wir machen das Beste aus diesem Tag: lange Wanderung, Champagner am Mittag und Kochen am Nachmittag. Später klart es auf und wir sehen für 2 Stunden die Sonne, was wir zum Baden nutzen.

14.7.07

Öppen för Nordvind

Auf dem Weg nach Jungfruskär
Unsere Ankerbucht dort

Wetteronline sagt für heute Windstärke 2 voraus. Wir haben 4-5 aus W-NW und da müssen wir hin. Wir kreuzen bei bestem Sonnenschein am Wind. Super Segeln, denn durch die Schärenabdeckung gibt es kaum Welle. Streckenweise laufen wir wieder unter Motor, um nicht ewig unterwegs zu sein. Die Landschaft verändert sich: die Alands sind nicht so stark bewaldet, wie die Turku-Schären. Unser Ziel ist Jungfruskär, also die Jungfrauenschäre, ca. 15 SM westlich von Korpoström.. Zwischen zwei Schären gibt es einen Sund der von Nord nach Süd verläuft. Er ist also „öppen för Nordvind“, wie der Hafenführer sagt. Als wir dort ankommen hat der Wind natürlich von NW auf fast Nord gedreht. Also liegen wir vor Anker im Wind. An ein Anlegemanöver an den östlich liegenden Felsen ist vorerst nicht zu denken.
Bei mir kommt langsam ein Gefühl von Rückreise auf: die längste Strecke liegt hinter mir, es geht nach Westen Richtung Schweden und zeitlich gesehen habe ich die Hälfte der Zeit schon hinter mir. Das macht aber nichts, denn mit den Aland-Inseln und Schweden und Dänemark liegen noch erstklassige Segelreviere vor mir!Wir verlegen uns später in eine seichte Bucht auf 1.5 M Wassertiefe in der Nähe des Steges und fahren mit dem Schlauchboot an Land, um die Insel zu erkunden.

13.7.07

Aktueller Standort


Wir liegen in Korpoström, auf der Grenze zwischen den Turkuschären und der Alandsee.

Korpoström

Solche Gäser stehen in Finnland vor der Sauna!




Ein Kunstwerk von Johannes: DINE mit Beiboot


So sieht das hier in den Schären zwischenzeitlich aus!

Ein Tief jagt das andere, Regenschauer und dazwischen ein wenig Sonne. Wir liegen am Skargardcentrum Korpoström und warten einen Schlechtwettertag ab. Außerdem ist heute Freitag der 13. - da sticht ein Seemann nicht in See!

12.7.07

Schönes Segeln

Schönes Segeln bei halbem Wind!


Wir freuen uns...

...und der Matrose ist noch in der Schlafanzughose.

Nachdem es in der Nacht kräftig geregnet hat, scheint am Morgen die Sonne und wir starten Richtung Korpoström, wo es einen Hafen mit Versorgung gibt. Wir müssen die Vorräte ergänzen, tanken und den Abfall entsorgen. Das Wetter ist sehr schön und v.a. der Wind: S-SW 3-4. Wir können daher am Wind und streckenweise bei halbem Wind wunderbar segeln. An einigen engen Durchfahrten zwischen den Inseln starten wir den Diesel, um nicht im Fahrwasser kreuzen zu müssen. Bei Sonnenschein sieht alles gleich wieder schöner aus.
In Korpoström haben wir Glück, denn es ist noch eine Heckboje für uns frei und wir gehen mit dem Bug an den Steg. Später drängeln sich noch einige Finnen in die bestehenden Lücken am Steg und haben dabei keine Hemmung drei Boote an eine Boje zu vertäuen, was jedes Mal die sorgfältige Leinenbelegung durcheinander bringt.
Am späten Nachmittag beginnt es wieder zu regnen und es ist kalt. Wir beschließen morgen, am Freitag den 13. einen Hafentag einzulegen.

11.7.07

"Possibly thunder!"


Die Kinderfähre

Wegweiser auf Gullkrona


Das Cafe


Wir sondieren die Anlegestelle


DINE vor Heckanker am Felsen


Wir haben es geschafft


Kreuzotter

Das Wetter nervt langsam. Über Finnland liegt ein Tief, ein weiteres kommt von Osten. Die Schärenlandschaft liegt grau in grau und ist längst nicht so beeindruckend wie die Wirkung bei Sonnenschein. Wir starten den Diesel und machen uns auf den Weg nach Gullkrona. Ich bilde mir ein, dass der Motor besser schnurrt als vorher und den Ölwechsel dankt. Meine Lieben bleiben in der Kajüte und vertreiben sich die Zeit mit lesen und Kniffel spielen. Ich lasse den Autopiloten steuern, denn wir motoren unter gesetztem Groß die Fahrwasser entlang. Die Finnen sind noch segelfauler, denn sie motoren oft mit den besten Yachten, z. T. mit dem Wind im Rücken, ohne ein Segel auszupacken. Ich habe DINE inzwischen zum Motorsegler erklärt, denn die Segeleigenschaften dürften ziemlich genau einem solchen Gefährt gleichen…
Unser Ziel ist Gullkrona, eine Insel, die auf unserem Weg liegt und von Sönke Roever in seinem Buch als Idylle gepriesen wird. Wie das mit solchen Geheimtipps ist, sie sind in Wirklichkeit keine. Die Beschreibung mag für die Vorsaison zutreffen, jetzt ist hier Hochsaison und wir bekommen schon gegen Mittag keinen Liegeplatz mehr. Das macht uns aber nichts, denn ich habe schon bei der Anfahrt eine Bucht erspäht, in der wir uns vor Heckanker mit dem Bug an die Felsen legen. Ich manövriere das Schiff vorsichtig heran und Johannes klettert über den Bugkorb an Land und belegt die Vorleine an einem Felsen. Das ganze Manöver haben wir zuvor gut besprochen und den Felsen per Schlauchboot vorher ausgelotet. Der mittlere Teil von Gullkrona ist öffentlich und die westliche und östliche Seite als „privat“ ausgewiesen. Deshalb liegen wir in unserer Bucht völlig allein und fahren mit dem Schlauchboot zum Anleger. Der kleine Hafen wird von einer Fischerfamilie betrieben, die alles sehr familiär und nett betreiben. Es gibt ein kleines Cafe, Museum mit der Geschichte der Familie und einen kleinen Laden, in dem wir köstliche geräucherte Seeforelle kaufen. Ansonsten ist uns das Ganze zu überlaufen. Es ist ein Kommen und Gehen von Schiffen und die angeblich so freiheitsliebenden und auf Diskretion beim Ankern bedachten Finnen knubbeln sich in größter Enge an den wenigen Stegen. Dabei zeigen manche von ihnen unangenehmes Benehmen. Ich beobachte wiederholt, wie jemand ein Anlegemanöver vorbereitet und in letzter Minute von einem anderen Boot zügig überholt wird und weg ist der anvisierte Anlegeplatz! Diese Segelraudis drehen sich nicht einmal um, wenn sie angesprochen werden.Wir fahren zurück in unsere Einsamkeit und sind beim Landgang in wirklicher Wildnis. Ich stolpere fast über eine wunderschöne Kreuzotter, die auf einem warmen Stein liegt und die sich nur ungern von mir stören lässt. Ich fotografiere und sie zieht sich unter einen Stein zurück. Dort scheint sie zuhause zu sein, denn 2 Std. später treffen wir sie am gleichen Ort wieder an. Der Wetterbericht am Abend verspricht wenig Gutes. Die entscheidenden Vokabeln können an Bord inzwischen alle: „interference“, „local showers“, „moderate to good visibility“, „possibly thunder“! Das „possibly thunder“ ist inzwischen ein running gag an Bord. Wir versuchen es mit Humor zu nehmen, aber schade ist das schlechte Wetter schon!

10.7.07

Kejserhamn

Das Lotsenmuseum


Der letzte Lotse von Högsara


"Fina"


DINE vor Kejserhamn



Deutsche Wertarbeit aus vergangener Zeit


Werbung für das Cafe

Wir verholen das Boot und ankern gegenüber dem Anleger Kejserhamn auf 6 m Tiefe. Diesmal hält der Anker. Das Wetter ist durchwachsen, es reicht aber, das Jo am Strand spielt und schwimmen geht. Ich mache den Fährdienst mit dem Schlauchboot und setze Ingeborg für einen Spaziergang ab. Die Zeit allein an Bord nutze ich für den überfälligen Ölwechsel. Dazu muss ich die ganze Steuerbordkiste auspacken, um an den Ölfilter heranzukommen.Kejserhamn lebt seit 100 Jahren davon, dass hier Kaiser Alexander III als erster Tourist mit einer Yacht ankam und hier in Högsara Urlaub gemacht hat. Es gibt den kleinen Hafen und ein Bauernhofcafe in der Nähe, das gern besucht wird. Man geht rein bedient sich und zahlt an der Kasse. Ich hatte leckeren Erdbeerkuchen mit Kaffee. Es gibt auch ein kleines Museum in dem Gebrauchsgegenstände und Geschichte der Lotsen von Högsara ausgestellt sind. Eine nette Studentin aus Turku hat dort einen Sommerjob und gibt den Touristen Informationen. Am Ufer steht noch eine kleine Holzhütte, in der die Fischersfrau Serafina Lindblad gearbeitet hat und 91 Jahre alt wurde. Am Abend machen wir noch einmal einen kurzen Spaziergang auf der Insel.

9.7.07

"Shit happens!"

Unsere Ankerbucht - mit Wetterbesserung!

Das Wetter meint es nicht so gut mit uns: bedeckt, kühl, Schauerwetter. Wir brechen auf nach Kejserhamn, von dem Volker geschwärmt hat. Die 23 Sm gehen wieder unter Motor durch gut betonntes Fahrwasser, eine Art Schiffsautobahn, denn es herrscht reger Verkehr.Der Wind ist zunächst umlaufend, später gibt es W-NW3, also von vorn. Kejserhamn ist eine idyllische Bucht mit einem Anleger, Badeplatz, Sauna, Cafe… Unsere Freude wird dann durch ein völlig verkorkstes Anlegemanöver arg getrübt. An dem Steg gibt es keine Heckbojen, also muss ein Heckanker ausgebracht werden. Die Leeseite des Steges liegt natürlich voller Schiffe, so dass wir mit dem Wind im Rücken anlegen müssen. Das klappt auch zunächst, wie vorgesehen, doch 2m vor dem Steg stelle ich fest, das der Heckanker nicht hält. Wir müssen also rückwärts den Steg wieder verlassen und ich hole den Anker wieder auf. Was ich nicht bemerke ist die Ankerleine eines Motorbootes, die ich mit hochziehe und die in unseren Propeller gerät. Der Motor stoppt und wir treiben rückwärts zurück an den Steg. Während ein dort mit seiner Yacht liegender Finne nicht einmal die Leine annehmen will, reagiert der Motorbootfahrer gelassen mit dem Kommentar „Shit happens!“. Seine Frau spricht Deutsch – also haben wir uns wenigstens die richtigen Leute für diesen Mist ausgesucht. Der Finne taucht mit Brille und Schnorchel und klart das Desaster auf, wobei er die Leine schnell frei hat. Er muss ein paar mal tauchen und japst dabei so nach Luft, dass ich Angst habe, er bekommt einen Herzanfall. Als wir vom Steg wegfahren und in der Bucht ankern wollen, geht das Theater weiter. Wir bekommen in 5 Anläufen den Anker nicht in den Grund. Der Boden besteht aus Lehm und es ist 14 Meter tief. Wir geben entnervt auf und ankern etwas abseits in einer wunderschönen seichteren Bucht. Johannes entspannt sich von der Aufregung beim Angeln und hat wieder Glück. Er fängt einen Barsch, den wir aber wieder ins Wasser zurücksetzen – er ist zu klein. Später fahre ich mit Johannes im Schlauchboot noch einmal zurück und wir bedanken uns bei dem Motorbootfahrer mit einer Flasche Cognac, die ich genau für solche Anlässe in Deutschland gebunkert hatte

8.7.07

Endlich ein Update

Die Webseite ist jetzt endlich aktualisiert. Es können Einträge ab dem 21.6.07 nachgelesen werden (Juni aus dem Archiv öffnen).
Die nächsten Einträge werden wahrscheinlich wieder etwas dauern: wir starten morgen Richtung Aland-Inseln.

Hanko

Heute ist die Stimmung wieder aufgehellt: ein wenig Sonne, wenig Schauer und Johannes angelt seinen ersten Barsch! Wir gehen zu Fuß die 3 KM nach Hanko und sind etwas enttäuscht. Die Party-Fraktion hat den Ort fest im Griff: überall parkende Autos mit Alkoholleichen vom letzten Abend und die ganze Stadt ist vermüllt. Zur Ehrenrettung muss man sagen, dass schon Aufräumtrupps unterwegs waren. Im Internetcafe kann ich wieder keine Dateien hochladen. Hanko ist auf dem Reißbrett geplant: rechtwinklige Straßen überall – nichts Besonderes. Wir kaufen Proviant ein und schleppen alles per Rucksack in den Nordhafen zurück. Meine Frau meint, dass Beste an Hanko sei noch der Supermarkt… Am Nachmittag fahre ich noch einmal hier in den Nordhafen, um die Webseite zu aktualisieren. Im Cafe Roxx gibt es W-Lan für 5 Euro.

6.7.07

Chaos in Hanko

Jo navigiert

Anfahrt Hanko

Wenn man nach Hanko fährt, muss man sich darauf einstellen, dass es am Abend im Hafen eng wird. So warnt der Reiseführer vor „Ellenbogenseglern“ die sich um die letzten Liegeplätze streiten. Was uns erwartet ist noch heftiger: Wir geraten in eine Segelregatta, denn vom 4.-8. findet hier ein großes Seglertreffen statt – was wir natürlich nicht wussten.

Die Navigation hierher erfordert große Konzentration: direkt neben den Fahrwassern liegen überall Steine, z.T. unter der Wasseroberfläche. Ich steuere und Johannes macht die Ansagen und umgekehrt.

Bei der Anfahrt auf Hanko kommen uns plötzlich ganze Gruppen von Seglern hart am Wind entgegen und es werden immer mehr: wie die Hornissen aus dem Ausflugloch stürzen sie sich aus der engen Hafeneinfahrt – alle unter Segel. Im Hafen das reine Chaos. Überall Segler ohne Motor und Motorboote kreuz und quer. Wir machen zum Verschnaufen an der Tanke fest, dem einzig freien Liegeplatz im Hafen und erfahren, das in den Stadthäfen keine Liegeplätze mehr gibt. Also müssen wir Hanko südlich umfahren, um im Nordhafen festzumachen. Auch dort ist es voll und wir bekommen den letzten Liegeplatz von einer freundlichen jungen Frau, die perfekt Deutsch spricht. Inzwischen regnet es und die Stimmung ist auf dem Nullpunkt… Ein Lichtblick ist der frisch geräucherte Lachs, den es hier im Hafen gibt und der köstlich schmeckt!

Byxholmen die Zweite

Faulenzertag auf Byxholmen: Sauna gegen Mittag, Schnitzen von Saunatürgriff und Handtuchhaken. Johannes schnitzt Messer und Schwerter. Abends gibt es Blaubeerpfannkuchen mit Beeren aus dem Wald, die Johannes und Ingeborg gesucht haben. Johannes fängt einen richtig dicken Fisch, der leider wieder vom Haken entkommt.

5.7.07

Byxholmen


"Unser" Saunahaus
Blaubeerpfannkuchen

Byxholmen: der perfekte Ferientag! Am Morgen ergänzen wir unsere Vorräte und dann geht es los Richtung Hanko. Auf halbem Wege liegt die Schäre Byxholmen, an der wir Zwischenstopp einlegen wollen. Vor dem Ablegen habe ich Bedenken, denn es bläst mit böigen 3-4 von der Seite. DINE’s Rückfahreigenschaften sind ja nicht so berauschend… Aber alles klappt gut. Der von wetter-online vorhergesagte Ost 4 entpuppt sich als Windstärke 5-6 und so rauschen wir nur unter Genua das Fahrwasser entlang. Kurzzeitig mit sagenhaften 6 Knoten! Als wir Byxholmen erreichen kachelt es noch so stark, dass ich ein Anlegemanöver an den Felsen ausschließe. Wir finden zwei Heckbojen, die aber auch noch zu stark im Wind liegen. Dann entdecken wir, das zwischen den zwei gegenüberliegenden Schären an der Leeseite noch eine Heckboje frei ist. Wir machen zunächst mit dem Bug fest und warten etwas ab, bis sich der Wind etwas gelegt hat. In der „Warteschleife“ kommen wir auf die Idee, schon mal die Landleinen mit dem Dingi an Land zu bringen und dort an Felsenringen festzumachen. Nach dem Belegen der Heckleine an die Boje können wir nun das Boot bequem an den Felsen festmachen und über den Bugkorb an Land steigen. Byxholmen ist ein Traum und entspricht genau meinen Vorstellungen von Finnland. Der Rundumblick von den Felsen zeigt freie Landschaft, ohne die üblichen Sommerhäuser. Und bis zum frühen Abend sind wir allein auf der Schäre. Beim Festmachen der Bugleine sehe ich unter mir im Wasser eine Ringelnatter, die sich beim Baden sonnt. Beim Erkunden der Insel entdecken wir neben einer sehr schönen Grillstelle auch ein Saunahaus, in dem die Sauna noch aufgeheizt ist. Dahinter ein Holzschuppen mit Säge und Hackklotz. Also schnell das Feuer wieder angeheizt und dann in die „echt finnische“ Sauna. Beim zweiten Saunagang entdecken wir unter der Holzsitzbank eine Mitbewohnerin: eine ca 2 KG schwere Riesenkröte sitzt in der Ecke und schwitzt. Ich erlöse sie von ihrem Schicksal, langsam auszutrocknen, indem ich sie mit einer Kehrschaufel ins Freie befördere. Nach dem Saunagang entfachen wir zwischen den Felsen vor unserem Boot ein Feuer, auf dem wir, nachdem es heruntergebrannt ist, in der Glut unsere Schnitzel braten. Als wir endlich „Feierabend“ machen wollen, kommt ein finnisches Segelboot und macht an unserer Hecktonne fest. Der Eigner fragt uns vorher, ob es uns recht ist, was wir bejahen, obwohl ich ahne, was kommt. Mit zwei Booten an der Tonne klappt unser Festmachesystem nicht mehr und wir drohen, mit den Felsen in Berührung zu kommen. Das sieht auch der Finne ein und verholt sein Boot an eine andere Hecktonne, gemeinsam mit einem Landsmann. Nach einer Stunde Gehampel liegt unser Boot wie vorher sicher an den Leinen. Mit einem schönen Sonnenuntergang endet dieser perfekte Urlaubstag und wir beschließen noch einen Tag zu bleiben.

4.7.07

Tammisaari

Wir starten gegen 9.00Uhr bei Bf 4 Ost Richtung Tammisaari. Das Wetter ist nicht mehr so schön – ein bedeckter Himmel begleitet uns, aber es bleibt trocken. Die längste Strecke haben wir damit raumen Wind, denn es geht durch ein lang gezogenes Fahrwasser zwischen den Inseln Odensoe, Gulloe, Degeroe im Norden und Danskog, Skarlandet und Torsoe im Süden von Ost nach West. Ein Wort zum Schären-Segeln: entgegen der manchmal gehörten Auffassung, bin ich der Meinung, dass es jeder halbwegs versierte Segler ohne Gefahr machen kann. Alles ist gut betonnt und eindeutig markiert. Man braucht die finnischen Sportbootkarten und ein Kartenplotter ist Einhand natürlich superbequem. Ich habe mit Navichart bisher (fast) jede Tonne und Stein dort gefunden, wo sie eingezeichnet waren.

Nach ein paar Tagen bekommt man auch einen Blick dafür, wo man das Fahrwasser verlassen kann, um an die Schären zu fahren. Ohne GPS würde ich allerdings nicht in die Schären fahren. Man bückt sich, klart irgendein Teil auf und wenn man aufschaut sieht alles anders aus. Also, verirren könnte man sich schon, wenn man Tonnen nicht konsequent abhakt.

Tammisaari ist eine Kleinstadt, die offensichtlich beliebt ist. Bereits am frühen Nachmittag sind die Liegeplätze rar. Wir haben Glück und finden noch eine passende Box für DINE.

Internet gibt’s in Nokia-Land immer noch nicht: kein W-Lan im Hafen und der Laptop im Cafe arbeitet nicht zuverlässig.

3.7.07

Flakholmen



Seeschwalbe

Bei feinstem Wetter fahren wir heute durch den Barösund. Zwischendurch legen wir an einem Supermarkt an und kaufen ein. Wir haben Glück und finden eine Möglichkeit zum Anlegen. Andere streiten sich um einen Platz am Anleger, weil einige Finnen bei ihren Anlegemanövern ziemlich rücksichtslos agieren und an den Wartenden vorbei an den Steg fahren. Der Barösund ist ein enges Fahrwasser, das sich zwischen zwei Inseln befindet. Unser Ziel ist Flakholmen, eine sehr schöne Schäre ohne die üblichen Einrichtungen.

Wir legen mit Heckanker an der Schäre an, müssen das Manöver aber zweimal fahren, weil der Anker zunächst nicht hält. Wir setzen auch unsere Felsnägel mit Ringen ein, um zusätzliche Leinen anzubringen. Die waren auch nötig, weil später der Wind auffrischte.Nach Baden und Faulenzen und Abendessen verholen wir das Boot noch einmal, denn der Wind dreht auf NE und kommt von der Seite. Wir gehen in einer gegenüberliegenden Bucht hinter einer Insel vor Anker und haben somit eine ruhige Nacht und müssen keine Sorge haben, auf die Felsen getrieben zu werden.

2.7.07

Stoga Fagerö


Heute geht es weiter nach Westen. Ziel ist der Barösund. Als gegen Mittag Gewitterwolken aufkommen steuern wir kurzerhand die Schäre Stora Fagerö an und machen bei den ersten Regentropfen an einer Heckboje und Steg fest. Begrüßt werden wir von einem Finnen, der perfekt deutsch spricht und uns schöne Ferien wünscht.

Bei der Ansteuerung der Insel bin ich für einen kurzen Moment unaufmerksam und wir laufen auf Grund. Wir haben ein Riesenglück, denn es ist nur Sand und wir kommen sofort wieder frei. Ich hatte zuvor die Stelle als Risiko erkannt und auch das Echolot eingeschaltet. Es ging mit der Tiefe innerhalb von 5 Metern von 10 auf null Meter Tiefe. Warum wir den Bogen um die Inselspitze nicht weiter genommen haben, ist mir allerdings ein Rätsel…
Es gibt die übliche Schäreninfrastruktur: Grillplatz und Plumsklo. Neben uns macht die Yacht „Blondie“ fest, mit drei jungen Frauen an Bord.
Später klart das Wetter wieder auf und wir verbringen einen sehr schönen Tag dort. Wir baden und ich umrunde mit meinem Sohn die Insel per Schlauchboot, wobei wir noch einen Abstecher auf eine unbewohnt kleine Felseninsel machen, die von Seevögeln bewohnt wird. Am Abend gibt es leckere Pfannkuchen und dann machen wir am Strand ein Lagerfeuer. Idylle pur! Das Ganze wird dann in der Nacht gegen 1 Uhr getrübt, als sich ein Neuankömmling und eine finnisches Paar sich ungeniert lautstark auf dem Steg unterhalten, bis wir alle wach sind. Dabei rollen sie in aller Ruhe ihre Segel ein, die sie zuvor getrocknet haben. Das geht 45 Minuten so weiter, dann ist endlich wieder Ruhe.

1.7.07

Bockfjärden

Heute ist ideales Wetter für den ersten Familientörn. Die Sonne scheint und wir haben raumen bis halben Wind der Stärke 3. Durch den Hafen von Helsinki geht es nach Westen in die Schären. Mit Motorunterstützung erreichen wir am Nachmittag die Bucht Bockfjärden, die im Törnführer als sichere Ankerbucht empfohlen ist. Wir sind etwas enttäuscht: die ganze Bucht ist rundum mit Häusern bebaut – da will man sich ja nicht direkt davor legen. Zudem ist es überall windig. Schließlich legen wir uns ziemlich mittig in die Bucht. Ich mache mit Johannes noch eine Entdeckertour mit dem Schlauchboot ein kleines Flüsschen hinauf. Danach macht Johannes die Tour noch einmal mit seiner Mutter. Als die Beiden nach 1 ½ Stunden noch nicht zurück sind, mache ich mir ernsthaft Sorgen und fahre mit dem Segelboot soweit in die Flussmündung, wie es der Tiefgang erlaubt. Dort rudern die Beiden in aller Ruhe herum und genießen die Abendsonne. Der Außenborder ist ausgegangen und sie haben ihn nicht mehr in Gang setzten können, was aber auch nicht weiter stört. Die Zeit haben sie bei ihrem ersten Ausflug in Finnlands Natur völlig vergessen. Frustig ist, dass die Fische um unser Boot herumspringen und wir nicht wissen, wie man sie fängt.